Während der Papst andere Sorgen hat, ruft Franz Pahl zum neuen Kreuzzug.
Der Frosch ist zum symbolträchtigen Wahlkampfthema geworden: Tradition kontra Moderne, Zensur kontra Freiheit der Kunst. Und Mittelalter kontra Diserens.
Aus ff 27 vom 03. Juli 2008
Frosch oder Pahl: Das ist die Frage.
Kippenberger sei Dank fallen in diesem Land die Vorhänge. Plötzlich sieht man sich von lauter ultrakatholischen Ayatollahs umringt. Ja ist es denn zu packen? von Norbert Dall`Ò
Kürzlich im Foyer der SVP: „Das hat man davon, wenn man Ausländer ins Land holt.“ „Ja haben wir denn niemanden, der ein Museum führen könnte? So wie es sich gehört?“ „Wie kommen wir dazu, dieser Französin, die nicht mal gscheit Taitsch kann, unsere Kultur zu überlassen? Was wird der Papst von uns denken?“
Zunächst denke ich: Ratzinger hat andere Sorgen. Seine Kirche hat gefährlichere Feinde als einen ans Kreuz genagelten Frosch. Wenn es denn so schlimm wäre, keine Sorge, die Armada des Vatikan hätte längst reagiert.
Nicht unser durchaus aneckende Frosch ist es zurzeit, der den Papst ärgert, sondern Oberkatholik Silvio Berlusconi. Der will allen Zigeunerkindern die Fingerabdrücke abnehmen lassen. Am schärftsen protestiert hat Ratzingers Osservatore Romano: Berlusconi sollte den Politikern die Fingerabdrücke abnehmen, anstatt mit einem rassistischem Dekret Kinder einer Minderheit pauschal zu Kriminellen stempeln. Eine mutige Stellungnahme vonseiten der Kirchenführung.
Ein Land, das den Katholizismus auf seine Fahnen schreibt, würde vielleicht über Berlusconis Zigeunerdekret und den Kommentar im Osservatore Romano diskutieren. Unsere Sittenwächter lesen aber nicht Ratzingers Zeitung. Ihre Bibel sind die Pressemitteilungen der Freiheitlichen. Und neuestens jene von Franz Pahl.
Pahl will noch einmal in den Landtag. Aus diesem Grund hat er ein Pamphlet gegen die Muslime geschrieben. Da lassen sich allemal ein paar Stimmen zusammenkratzen, wird er sich gedacht haben, wo doch alle oder zumindest viele was gegen die Ausländer haben.
Aber weil der gute Pahl, von dem wir die ganze Legislatur lang herzlich wenig gehört haben, sich doch nicht ganz sicher ist, ob die muslimische Masche funkioniert, hat er eins draufgelegt. Glaubt er zumindest. Anderswo in der Welt tritt man in den Hungerstreik, weil Menschenrechte missachtet werden. Oft geht es um Leben oder Tod. Pahl will so lange hungern, bis der Frosch entfernt wird. Ja ist es zu packen?
Ich dachte schon: Jetzt verschätzt er sich. Der Frosch ist ja längst vergessen. Von wegen. Kurz nach Pahls Ankündigung bekam er Schützenhilfe von seinem Parteiobmann: Der Frosch muss weg, forderte jetzt auch Elmar Pichler-Rolle. Mit Pichler-Rolle spricht der Vizebürgermeister der Landeshauptstadt und der Chef jener Partei, die immer noch die absolute Mehrheit besitzt. Also wird die Angelegenheit zur Staatsaffäre.
Machen wir uns nichts vor. Der Frosch ist zum symbolträchtigen Wahlkampfthema geworden: Tradition kontra Moderne, Reaktion kontra Liberalität, Zensur kontra Freiheit der Kunst. Der Athesia war das Museion mit seiner „artfremden Kunst“ sowieso ein Dorn im Auge. Verhindern konnten die christlichen Brüder die Struktur nicht. Jetzt wollen sie sie zumindest „heimholen“. Der Kopf von Diserens muss fallen, fordert der aufgestachelte Mob. Pahl & Pichler-Rolle glauben, den Richer für des Volkes Stimme zu haben. Und rufen zum Kreuzzug auf.
Corinne Diserens hat bislang einen hervorragenden Job gemacht. Sie glaubte, in ein Land gekommen zu sein, das neugierig und offen ist. In die zukünftige Kulturhauptsadt Europas. Jetzt entdeckt Diserens ein Land, das sich nach dem Mittelalter sehnt. Man erzählt sich, dass die Direktorin mit dem Gedanken spielt, Bozen Adieu zu sagen. Wenn sie es tut, sollten wir das Museion auch gleich platt machen.
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