Aus ff 05 vom 02. Februar 2012

Leserbriefe: Was ist ein Durnwalder wert?

Politiker, Gehälter und Privilegien – Leitartikel von Norbert Dall’Ò in ff 3/12

Meines Erachtens fragen sich viele Menschen in ganz Europa nicht, ob Politiker zu viel verdienen, sondern ob ihre Leistung aktuell ihrem Gehalt angemessen ist. Die Leute fordern für ihr Steuergeld eine bessere und mutigere Politik, korrekte Politiker mit Fachwissen und einem Sinn für das Allgemeinwohl, denen zum Stichwort Stabilität mehr einfällt, als nur Steuern und Benzinpreise zu erhöhen.
Rückblickend war Südtirol im 20. Jh. mit Glück und weitsichtigen, verhandlungsfähigen Politikern wie Magnago, Benedikter oder Langer gesegnet. Auch Durnwalder hat mehr für das Land getan, als es nur zu verwalten. Seine Politik hat funktioniert, bevor sie zum System wurde. Nun aber laufen wir bei all den Versäumnissen und Skandalen Gefahr, dass bei den nächsten Wahlen die rechten „Freiheitsparteien“ gestärkt werden, die gegen die hohen Politikerbezüge wettern, die sie selbst kassieren.
Der Rachefeldzug der Frau Klotz ist nicht der unsrige, denn die Volkstumspopulisten werden die Verhandlungsposition Südtirols nur schwächen. Wir sollten unsere Lektion aus dem Schicksal der Bozner Italiener lernen, die in den 1980er-Jahren aus Protest ganz nach rechts zum MSI gerückt und folglich in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken sind.
Südtirol braucht keine Risiko-Spieler mit Freistaatvisionen, sondern Mut zur Solidarität. Es heißt, ein Baum der fällt, macht mehr Lärm als ein ganzer Wald, der wächst. Das friedliche Zusammenleben ist der Wald, der wächst. Wer aber lieber ungeübten Holzfällern vertraut, die einen Kahlschlag fordern, könnte sich eines Tages auf einem Holzweg wiederfinden.
Haimo Perkmann, Kastelbell