Aus ff 07 vom 16. Februar 2012
Leserbriefe: Das Recht auf Sicherheit
Leitartikel in ff 6/12 über Freiheit und festen Arbeitsplatz
Im Leitartikel analysiert der Verfasser die Liberalisierung des Arbeitsmarktes – eine der Grauslichkeiten der von Mario Monti angeführten Regierung Italiens.
Auffallend ist in meinen Augen die Tatsache, dass sich jene, die im italienischen Staat die Hebel an sich genommen haben, das Recht herausnehmen, an grundlegenden Rechten von Menschen zu sägen: Arbeit stellt – ähnlich wie Gesundheit und Wohnung – eine unentbehrliche Grundlage einer jeden Existenz und keinerlei Luxus dar; aus diesem Grunde halte ich es schlichtweg für eine Unverfrorenheit, Arbeitsplätze ganz bewusst und gewollt ins Wanken zu bringen.
Die Sanierung der Staatsfinanzen sehe ich als einen Vorwand, die Rechte der Arbeitnehmer zu schmälern, ein lange gehegter Traum der Wirtschaft, den sich Herr Monti, dessen geistige Heimat die Wirtschaft ist, nun endlich erfüllen möchte.
Diese so genannte Liberalisierung oder Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ähnelt meines Erachtens einem Brettspiel, auf dem man leblose Figuren hin- und herschiebt – in der Gesellschaft eines Staates handelt es sich jedoch um Menschenschicksale oder Schicksale ganzer Familien, was dem Premier wohl nicht entfernt dämmert; der geschmacklose, eines Akademikers oder gar eines Universitätsprofessors unwürdige Zynismus spricht wohl dafür.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass man die von der momentanen Regierung erlassenen Verordnungen nicht verhindern kann; was ich jedoch für möglich halte, wäre ein kollektives bewusstes Konsumverhalten, das jener Wirtschaft, die Herr Monti gerade unverhältnismäßig fördern und bevorzugen möchte, Schaden zufügt, sodass in absehbarer Zeit Mario Monti kleinlaut als Gescheiterter seinen hohen Sessel räumen müsste.
Wenn Mario Monti behauptet, ,,immer die gleiche Arbeit“ zu verrichten sei ,,langweilig“, dann frage ich mich, warum er seit dem unendlich fernen Jahr 1969 (!) den einträglichen Posten als Universitätsprofessor einnimmt; Respekt einem solchen Menschen gegenüber kann ich erst aufbringen, wenn er nach 2013 als Straßenkehrer arbeitet.
Georg Lezuo, Bozen
