Aus ff 07 vom 16. Februar 2012

Leserbriefe: Entschärfte Munition

ff 5/12 über die Pläne, das Siegesdenkmal in Bozen zu „historisieren“.

Der großartige Wettbewerb zur Verschleierung des sogenannten faschistischen Reliefs an der Fassade des Finanzgebäudes in Bozen (Casa del Fascio), an dem sich jede Menge Dilettanten, Amateure, Professionisten, Künstlerinnen, Architekten, Designer und so weiter beteiligt hatten, war eine nicht zu kleine Peinlichkeit der Südtiroler Kunstgeschichte, zugleich eine Farce, ein Witz. Der Faschismus ist keine Kunstrichtung, sondern eine Geisteshaltung, das sollten Politiker und Kulturmenschen eigentlich wissen.
Eine aktive Auseinandersetzung mit einer verbrecherischen Idee, deren „Leistungen“ sich in ihrem harmlosesten Gesicht als Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden darstellt, hieße eigentlich, den Inhalt und nicht die Form verändert sehen zu wollen. (Das Problem ist nicht die Hand, sondern der Kopf.)
Weil es notwendig wäre, über die Kosmetik eine Geste der Wiedergutmachung zu setzen, schlage ich vor, das Relief in all seiner Pracht so zu lassen wie es ist, weil es selbst nur von Handlangern der Macht geschaffen wurde, und anstelle der Finanzverwaltung ein Asyl für Extracomunitari, eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten, mit angeschlossener Suppenküche und Schlafstelle für Obdachlose und delogierte Zigeuner. Das wäre die beste Entschärfung eines störenden, provozierenden Kunstwerkes und zugleich eine gelungene Antwort auf die Ideale des Faschismus.
Erich Kofler Fuchsberg, Naturns