Aus ff 01 vom 31. December 2008

Südtirol gehört nicht den Schützen

Leitartikel in ff 46/08 über den Protest der Schützen gegen Siegesdenkmal und Mussolini-Fries

Es stimmt nachdenklich, dass es bis herauf ins 21. Jhd. in Südtirol immer noch ein faschistisches Gedankengut mit versteinerten/fossilierten Relikten an öffentlichen Gebäuden gibt. Während in Deutschland und Österreich durch Gedenktage, Zeitzeugnisse und Dialogbereitschaft dem Vergessen der Nazi-Greueltaten - auch auf politischer Ebene – durch kritisches Hinterfragen entgegengewirkt wurde, unterstützt ein italienischer Verteidigungsminister im Jahr 2008 neuerdings die Verherrlichung faschistischer Unterdrückungssymbole am Siegesdenkmal und am Finanzamt in Bozen.

Einem Minister des Staates Italien würde man es im 21. Jhd. zumuten dürfen (oder auch nicht?), einen Lernprozess aus der Geschichte vollzogen zu haben. Ein Beispiel könnte sich dieses uneinsichtige Regierungsmitglied von dem ehemaligen Bundeskanzler Willi Brandt nehmen, welcher sich in Polen über die Nazi-Vergangenheit symbolisch durch die Geste einer Kniebeuge entschuldigte.

Wann endlich be/erkennen die Regierenden des italienischen Staates, dass es an der Zeit wäre, zusammen mit mündigen, objektiv urteilenden Bürgern, sich auch den eigenen unrühmlichen Geschichtsepochen zu stellen und sich nicht nur mit faschistischen Parolen hinter den eigenen Problemen (und es sind zurzeit derer genug davon) zu verstecken?

Ein definierter Platz des Friedens in Bozen ist für die Zukunft im Zusammenleben der Sprachgruppen förderlicher, als ein Denkmal (welcher Architektur auch immer) an einem Platz des Hasses, auf einem zusätzlichen Nährboden des Faschismus! Mit hoffnungsvollen Überlebensgrüßen für ein friedliches Zusammenleben mit drei Kulturen.

Friedrich Karl Janach, Innichen