Aus ff 11 vom 12. März 2009

Kind of Camilla – Cover my Face

Die neue CD der Meraner Pop-Jazz-Combo liefert den richtigen Soundtrack für die wärmeren Jahreszeiten.
Kind of Camilla stehen für erstklassigen, von Jazz beeinflusstem, Pop. Pop, der zu einem Glas Wein nach einem arbeitsintensiven Tag passt, zum Zeitunglesen an einem sonnigen Sonntagmorgen, Pop der genossen sein will, nicht konsumiert. Die neue CD von Camilla Guerrini, Christian Kröss und Salvatore Cosentino passt, beabsichtigt oder nicht, auch zu den ersten sonnigen Nachmittagen des sprießenden Frühlings, zu Kaffeepausen im Freien ohne zu frieren, zu längeren Abenden. „Cover my Face“ ist die Platte betitelt, eine Strophe aus dem Song „Lost (A Daughters Complaint)“ – und in derselben Strophe heißt es auch noch „need a peaceful place“. Der Wunsch, die Welt einmal außen vor zu lassen, sich nicht um irgendwelche Probleme kümmern zu müssen, taucht in den Texten immer wieder auf – und die Sehnsucht nach einer Welt ohne alledem. Die Texte der Platte kreisen nachdenklich, mal mehr mal weniger optimistisch, um Themen wie Trennungen, Einsamkeit, Liebe und eben um die Frage nach dem richtigen, glücklichen Leben. Wer sich jetzt vor allzu Kopflastigem fürchtet, mag beruhigt sein: Cover my Face hat auch lustige Momente, ein solcher Moment ist etwa der Song „The Black Hatted Cat“, mit der aufmunternden Moral von der Geschicht’: „Equals go together/With or without hats/To understand this story/You don’t even have to be a cat. “ Musikalisch bieten Kind of Camilla einen unglaublich eingängigen, melodielastigen, smoothen Pop. Die Songs sind, aufgrund der Jazzeinflüsse, nie schwer, nie behäbig, sondern bleiben immer leichtfüßig. Jazzig sind dabei vor allem die Gitarre, der Bass und die Drums und wenn sie auch einige Ausflüge in den Pop und Poprock machen, so bleiben sie doch immer die jazzigen Gegenpole zu Camillas warmer, poppiger Stimme. Dass sich deshalb keine Brüche ergeben, sondern sich alles stimmig fügt, ist wahrscheinlich dem klugen und ausgefeilten Songwriting zuzuschreiben und der durchdachten Instrumentierung. Fazit: 13 erstklassige Songs, die dem Namen Ehre machen. Philipp Elisabeth