Aus ff 27 vom 02. Juli 2009
Der Appell des Hirten
ff 25/09 brachte ein Interview mit Bischof Karl Golser
Das Interview enthält gewichtige Aussagen. Das ist erfreulich.
Was die Thematik einer Moschee in Südtirol betrifft, verstehe ich allerdings die Bedenken (oder sind es Ängste?) nicht. Wo ist schon der Unterschied zwischen einem muslimischen Gebetsraum und einer Moschee? Eine Moschee sei u.a. auch ein Ort politischer Meinungsbildung, betont Bischof Golser. Ein Gebetsraum ist das wohl auch. Muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger werden sich immer eine politische Haltung bilden, gleichgültig wo. Die Basis des Rechtsstaates darf dabei nirgends verlassen werden. Somit würde auch eine Moschee keine Gefahr darstellen.
Nicht nachvollziehen kann ich die Äußerung des Bischofs, dass es in Südtirol „derzeit keinen Bedarf an einer Moschee“ gibt. Das festzustellen steht wohl nur den muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu. Das Recht auf Religionsfreiheit beinhaltet, dass keine Religion festlegt, was die andere braucht oder nicht braucht. Sonst hätte es vor gut hundert Jahren keine Erlaubnis zum Bau einer evangelischen Kirche in Bozen und Meran oder zur Einrichtung von Königreichsälen der Zeugen Jehovas vor einigen Jahrzehnten gegeben.
Robert Hochgruber, Tschötsch
