Aus ff 30 vom 29. Juli 2010

Leserbriefe: Ansichten eines jungen Priesters

ff 27/10 brachte ein Interview mit dem Augustiner­pater Artur Schmitt

Ich muß Pfarrer Schmitt ein großes Lob aussprechen zu seiner Einstellung der Kirche gegenüber und dass er den Mut hatte, seine Meinung öffentlich kundzutun. Das kann man nur von einem jungen Pfarrer erwarten, denn die alten getrauen sich nicht, eine eigene Meinung zu haben und noch viel weniger, diese zu äußern.
Dass die Amtskirche sowohl von außen wie von innen immer mehr mit Kritik konfrontiert wird und dass Themen wie sexueller Miß­brauch aufs Tapet gebracht werden, hängt mit dem Freiheitsbedürfnis des Menschen zusammen, welches auch vor den Toren des Vatikan nicht haltmacht.
Die geistige und menschliche Freiheit, ohne Unterdrückung, wird in diesem Jahrhundert ihren Siegeszug fortsetzen und die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Das Grundproblem der katho­lischen Kirche mit ihren Strukturen und theologischen Fixierungen ist hausgemacht.
Themen wie Zölibat, Frauenpriestertum, Kirchenaustritte usw. sind Begleiterscheinungen der heutigen Zeit und etwaige Änderungen werden die Kirche nicht wesentlich verändern und attraktiver machen.
Wenn auch Pfarrer Schmitts  Äußerungen lobenswert sind und von einer gesunden Einstellung zeugen, so muss ich meine Enttäuschung aussprechen über seinen letzten Ab­satz, wo er über die Sünde spricht. Ich glaube in den Begriffen Sünde, Erbsünde, Todsünde, Schuld usw. der katholischen Lehre liegt der „Hund begraben“.
Auch Herr Schmitt kommt von der Pola­rität, vom Urteilen und Verurteilen nicht weg und die Meinung etwas als Todsünde, etwas das nicht wieder gutzumachen sei, zu definieren, ist ein Affront gegen das „Urprinzip Liebe“. Was ist Sünde oder gar Todsünde? Kann der Mensch, wenn er sich seines wahren Wesens und Ursprungs bewusst ist, seine Beziehung zu Gott trennen oder gar kaputt machen?
Ich verstehe, daß die Kirche mit einem „schuldfreien Zustand“ des Menschen sich nicht anfreunden wird, weil sie dann ja „arbeitslos“ wäre (siehe leere Beichtstühle).

Hans Knapp Pfalzen