Aus ff 35 vom 02. September 2010
Leserbriefe: Der Gast als Esel
Unfreundlichkeit in Südtirols Gasthäusern – Leserbrief in ff 27/10
Was Leserbriefschreiberin Lucy von Taufenbach von ihrer Erfahrung in einem Südtiroler Gastbetrieb schreibt, finde ich durchaus nicht aus der Luft gegriffen. Auf Wanderungen besuche ich gerne Gaststätten, um mich zu stärken und ab und an auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen. In der Regel begegne ich bei diesen Gelegenheiten ausgesprochen freundlichen und aufgeschlossenen Menschen, und dies bestimmt auch mein Bild der Gastbetriebe in unserem Land.
Hin und wieder – und auch das muss gesagt sein – wurde und wird mir allerdings auch eine Haltung entgegengebracht, worauf sich mir die Frage aufdrängt, warum ich an dem betreffenden Ort die Rolle eines Störenfriedes spiele. So etwa unlängst in einem Berggasthaus, wo ich über eine halbe Stunde lang am Tisch ausharrte, ohne bedient zu werden.
Schlussendlich glaubte ich, dass man an der Bar bestellen müsste, und begab mich dorthin. Allerdings nahmen die beiden diensthabenden, äußerlich sehr modisch bis mondän aufgetakelten Mädchen keine Notiz von meiner Anwesenheit und schwatzten unentwegt mit Burschen weiter, wobei sie mir ihre Hinterteile zuwandten. Als ein deutlich hörbares Räuspern meinerseits auch nichts fruchtete und ein Einheimischer eines der Mädchen anfasste und auf die Anwesenheit von Kundschaft aufmerksam machte, schnauzte mich die Angesprochene in einem fehlerhaften Italienisch (!?) an, was ich wollte. Trotz ihrer Überraschung und Verwunderung über meine deutsche Antwort wurde sie nicht freundlicher, und bei der Herausgabe des Restgeldes kam ihr nicht das kleinste Danke über die Lippen.
Ich dachte in diesem Moment daran, mit welcher Sympathie und mit welchem Charme mich junge Serviererinnen – auch in Dorfgasthäusern – bei jedem Besuch im Elsass begrüßen, ansprechen, bedienen und sich mit mir abgeben.
Georg Lezuo, Bozen
