Aus ff 33 vom 19. August 2010
Szene: „It’s Only Rock’n’Roll (But I like it)“…
... Diese Aussage der Rolling Stones spricht wohl vielen Musikbegeisterten aus der Seele. Die Geburtsstunde des guten alten Rock liegt zwar Jahrzehnte zurück, doch bis heute ist sie präsent – auch in Südtirol.
Irgendwann in den wilden 70ern: Im Bozner Waltherhaus findet das erste Rockkonzert der Südtiroler Musikgeschichte statt: Präsentiert wird die erste in Südtirol produzierte Rock-LP mit „La Statale 17“ und „Emphasis“. Mittendrin: Walter Eschgfäller – heute Besitzer von „Disco New“ in Bozen und Musikinsider: „Für mich war es DAS Konzert schlechthin. Ich hatte damals noch nie Ähnliches gesehen und gehört. Von diesem Moment an wusste ich, dass man mit Südtiroler Bands, abseits der Volksmusik, auch was erreichen kann.“ 1978 gelang es „The Firestones“ einen Sommerhit („Straniero/In der Fremde“) zu landen, der als Single in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlicht wurde. Dies war der erste große Erfolg, den eine Südtiroler Band im Ausland bis dato erreicht hatte, – abgesehen von der Volksmusik. Als weiteren Meilenstein der Südtiroler Musikgeschichte ist das Album „The Mask“ von der 1980 gegründeten Band „Mad Puppet“ zu nennen. Im Sog des Erfolgs der Genannten kamen zahlreiche andere Gruppen mit ihrer Musik an die Öffentlichkeit – und das Ganze nahm seinen Lauf. Heute, gute 30 Jahre später, hat sich die Musik der internationalen Szene angepasst. Mit einer Verzögerung von ca. einem halben Jahr spiegelt sich das, was in der Welt da draußen gerade so angesagt ist, auch in der Musik der lokalen Bands wider – von denen es mittlerweile eine ganze Menge gibt. Rockmusik dabei einzugrenzen ist schier unmöglich. Die einen fahren eher auf der härteren Schiene, die anderen lassen Punk, Ska oder Reggae mit einfließen oder bleiben eben dem guten alten traditionellen Rock treu. Gesungen wird meist auf Englisch oder Deutsch, aber auch auf Italienisch. Grenzen gibt es keine. Gespielt wird, was eben gefällt, und das mittlerweile auf höchstem Niveau: Früher stand „learning by doing“ auf der Tagesordnung. Heute, in Zeiten der Musikschulen gibt es immer wieder 16-, 17-Jährige, die wie Götter spielen. Was die Auftrittsmöglichkeiten betrifft, hat sich ebenfalls Grundlegendes geändert. In den 70er Jahren hatten junge Bands kaum eine Chance irgendwo zu spielen, das ist heute anders. Was den jungen Musikern von heute fehlt, ist die Ausdauer. Man möchte schnell auf eine Bühne, am besten gleich eine CD veröffentlichen und erfolgreich sein. Aber so leicht geht das nicht. „Einige Südtiroler Rockbands gibt es jedoch, die sich den Erfolg, den sie jetzt haben, redlich verdient haben: „Graveworm“, „Frei.Wild“ und „Skanners““, so Eschgfäller „Diese Bands sind für mich Vorbilder. Sie waren sich nicht zu schade für wenig Geld jedes Wochenende ins Ausland zu fahren und vor wenigen Leuten zu spielen. Mit dem Glauben an sich selbst allein ist es eben nicht getan. Man muss sich wirklich abrackern.“ Doch was ist mit dem zunehmenden Trend hin zu elektronischer Musik? Wird die gute alte Rockmusik letztendlich doch noch durch Turntables und Electro- Beats ersetzt? Walter Eschgfäller sagt Nein: „Ich sehe den Electrotrend nicht so stark, wie es den Anschein hat. Es gab und gibt immer wieder Musikrichtungen und Strömungen, die neben der „handgemachten“ Musik Erfolge erzielen. Speziell in den 70ern gab es unzählige Electronic Bands, aber daran ist die gute alte Rockmusik noch nie gescheitert. Im Gegenteil, es gab ihr immer wieder neue Impulse und neue erfolgreiche Entwicklungen und Musiktrends, und es ist jetzt wieder mal Zeit, für eine Richtungsänderung: Ich erkenne derzeit eine Rückkehr in die Musikrichtung der 80er Jahre. Gruppen wie „THE DRUMS“, sind trendführend. Nachdem man die 70er Rockmusik ausgereizt hat, streben eben Elemente der Electronicbands in den Vordergrund. Gute Rockmusik sowie das gute alte Handwerk werden aber nie aussterben.“ Sarah Tappeiner
