Aus ff 36 vom 09. September 2010
Leserbriefe: Wir sind schwul
Titelgeschichte in ff 34/2010 über das neue Selbstbewusstsein der Südtiroler Homosexuellen
Warum sollte nicht ein Tabu gebrochen und über jene Menschen geschrieben werden, die sich nicht vom anderen, sondern vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen? Gerade weil es um eine Haltung geht, die wir mehrheitlich nicht nachvollziehen können und folglich wohl kaum verstehen können. Ich bin, seitdem ich sie seinerzeit als Mittelschüler kennengelernt habe, ein begeisterter Befürworter der Menschenrechte, was unter anderem heißen soll, dass ich für die bedingungslose Anerkennung der Würde eines jeden Menschen eintrete –, gleichgültig welcher Hautfarbe, Sprache, Religion, Weltanschauung, Herkunft und sexuellen Ausrichtung. Allerdings kennt mein Demokratieverständnis, wie in allen anderen Bereichen, auch auf dem sexuellen Gebiet seine Grenzen. So wie ich in einer demokratischen Gesellschaft politischen Pluralismus eine Selbstverständlichkeit finde, so heißt das auch, dass ich meine Sichtweise habe und mich nicht mit anderen Sichtweisen identifiziere. Wie ich jedem Menschen – auch jenem, dessen sexuelle Neigung eine andere ist – vorbehaltslos seine Würde anerkenne, die meiner ebenbürtig ist, so heißt das keinesfalls, dass ich der Auffassung wäre, dass Homosexualität dasselbe ist wie meine Neigung zum anderen Geschlecht. Ich trete gegen jedwede, aus welchem Grunde auch immer erfolgte Ausgrenzung oder Diskriminierung von Menschen ein, jedoch ist und bleibt es unbestreitbare Tatsache, dass es sich um verschiedene sexuelle Ausrichtungen handelt, die nun einmal nicht ein und dasselbe sein oder als dasselbe gesehen werden können. Und im Sinne der Meinungsfreiheit erlaube auch ich mir zu sagen, dass gleichgeschlechtliche Liebe nicht zu meiner Identität gehört, in der Hoffnung, dass nicht schon dies als Diskriminierung der „Schwulen“ interpretiert wird. Georg Lezuo, Bozen
