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Aus ff 36 vom 04. September 2008
Die Schnäppchenjäger
Der Kandidat war überglücklich, dass so viele Leute zum Sammelpunkt gekommen waren, das hätte er von den Flaneidern gar nicht erwartet. Sofort wurde er von einer Menge umringt. Dann sah er ihre Gesichter. Sie glotzten gierig auf seine Tragetaschen und näherten sich bedrohlich. Binnen Sekunden war er seiner Habseligkeiten beraubt: Einmaltaschenrechner, Blumensamen, Spielkarten, Wanderkarten mit Parteiemblem. Als sie weg waren, war er dennoch zufrieden, denn sie hatten auch seine Visitenkarten mitgenommen, mit Foto und Kandidatennummer.
In der Schwemme des Hotels Unterganzner saßen ein paar politisch interessierte Bürger und legten ihre Karten auf den Tisch. Max Minder, Parteisekretär der …
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Aus ff 35 vom 28. August 2008
Der Verhältnisbaum
Die alte Kastanie auf dem Rathausplatz war der Lieblingsbaum von Bürgermeister Josef Palander. Es war der einzige Baum auf dem Platz und außerdem spendete er seinem reservierten Parkplatz Schatten. Jetzt sah er, dass jemand etwas in die Rinde geritzt hatte: F.K. + F.U., umrandet von einem Herzen. Aber es fiel ihm nicht ein, wer damit gemeint sein könnte.
Er sah auch, dass am anderen Ende des Platzes Fritz Klotz und Daniel Grüner, sein Bau- und sein Umweltassessor wieder einmal miteinander stritten. „Wir müssen den Platz dringend neu gestalten“, erklärte Klotz nun auch dem nahenden Bürgermeister, „sonst kommt nie …
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Aus ff 34 vom 21. August 2008
Zu viel der Ehre
Lasst den Bauleitplan, jetzt ist Siegerehrung!“ Auf Befehl von Bürgermeister Josef Palander, der das Kommando und die Fernbedienung hatte, unterbrach der Flaneider Gemeindeausschuss die Sitzung und starrte gebannt auf den neuen Flachbildschirm. „Schau, schon wieder der!“, rief Bauassessor Fritz Klotz anerkennend. „Ja“, bestätigte Umweltassessor Daniel Grüner, „der hat jetzt schon die achte Goldmedaille.“ „Nicht der“, widersprach Klotz, „der andere, der ihm die Medaille umhängt; die anderen können gewinnen, so viel sie wollen, aber der da wird zum Schluss am meisten im Fernsehen gewesen sein.“
Palander knipste den Fernseher aus: „So, die technischen Grundlagen haben wir. Aber was wollen …
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Aus ff 33 vom 14. August 2008
Die Rückkehr der Alten
Schaffner, halt!“ Der Fahrer des Linienbusses nach Flaneid dachte an einen Notfall, als Viktor Tonner seinen Befehl erteilte. Normalerweise hätte er hier nicht angehalten, aber Tonner war über achtzig, also musste es einen Grund haben. „Ist etwas passiert?“, fragte er den Greis. „Nichts“, antwortete Tonner, „die Rosl will hier zusteigen.“ „Aber hier ist keine Haltestelle!“, protestierte der Fahrer. Tonner blockierte mit seinem Spazierstock den Ausgang.
Rosl Kranz, 74-jährige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, stieg ein und steckte schnurstracks ihre Identitätskarte in den Entwertungsautomaten. Dieser machte einige Versuche, das plastifizierte Ungetüm zu schlucken und starb schließlich. „Mir hat man gesagt, ich …
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Aus ff 32 vom 07. August 2008
Der Ablasskirchtag
Na, Wendl, schon gebeichtet?”, fragte Coelestin Unterganzner, Groß- und einziger Hotelier von Flaneid, als Wendelin Gruber an den Budel trat. Gruber, Betreiber mehrerer Schottermühlen, fühlte sich an diesem besonderen Tag erleichtert, um viel Geld: „2.000 für den umgeleiteten Bach, 700, weil mir auf der Schneidwiesn eine baufällige Kubatur in den Rückgang geraten ist.” Gruber schaute Unterganzner an, in der Erwartung, dass auch dieser etwas ganz Persönliches mitzuteilen hatte. Der Hotelier wechselte zum Wetter: „Wie geschaffen für einen Kirchtag!” „Weißt du eigentlich, wieso wir an St. Portiunkula Kirchtag haben?”, fragte Gruber. Unterganzner zuckte diesmal zusammen, sagte aber wieder nichts.
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Aus ff 31 vom 31. Juli 2008
Der Überraschungsgast
Der Pfarrer lächelte allwissend in die Runde: „Glaubt ihr wirklich, der fährt auf der Autobahn nach Brixen, wenn es alle Welt schon weiß?” „Du meinst ...?“, deutete Umweltassessor Daniel Grüner eine Frage an, die er selbst noch nicht kannte. „Sicherheitsvorkehrungen“, bestätigte Hochwürden, „die haben den falschen Parcours bekannt gegeben. Zufällig ist ein Seminarkollege von mir Kooperator bei der Schweizer Garde ...“ „Du meinst ...?“, hängte sich Bauassessor Fritz Klotz in das Gespräch ein.
Flaneids führende Kommunalpolitiker saßen am hintersten Tisch in der Schwemme des Hotels Unterganzner, wo sie meistens die wichtigsten Vorentscheidungen für den Gemeinderat trafen. Diesmal ging …
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Aus ff 30 vom 24. Juli 2008
Alleinstehendes Dorf
Geht ja!“ Bürgermeister Josef Palander schaute mit dem Touristenfernglas auf sein Dorf hinunter. Es ärgerte ihn, dass er jedes Mal eine Münze einwerfen musste, schließlich war er dienstlich hier. Der um Honoratioren und leitende Beamte erweiterte Gemeindeausschuss von Flaneid war in Klausur auf der Flaneider Alm, zu Gast in Coelestin Unterganzners Panoramahotel. Es war Palanders Idee, sich eine Auszeit zu nehmen und ungestört über die Dorfentwicklung im Großen und Ganzen nachzudenken. Trotzdem ließ ihn sein Bürgermeisterinstinkt nicht los und er musste immer wieder nachsehen. Rein rechnerisch musste Flaneid in Absenz seiner Führung abbrennen, verrotten, im Chaos versinken. Aber da roch …
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Aus ff 29 vom 17. Juli 2008
Sommertheater
Aber Herr Bürgermeister!“ Auf seinem Schoß lag seine rechte Hand und knallte ihm eine mit der linken. Bürgermeister Josef Palander saß in der ersten Reihe im Pfarrsaal und schaute abwechselnd ins Manuskript und auf die Bühne. Er hatte für Kabarett etwas übrig, vor allem, wenn etwas über andere zu lachen war. Aber das Verhältnis, das ihm die Heimatbühne Flaneid da mit seiner Sekretärin andichtete, ging entschieden zu weit.
Zum Glück war man erst bei den Proben. Die Heimatbühne hatte vorsichtshalber zuerst angefragt, ob sie a) den Hauptplatz für die Aufführung haben könnte, und ob es b) etwas Politisches …
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Aus ff 28 vom 10. Juli 2008
Im Feriendorf
Vor neun keine Glocken, und die Große bleibt still!“ Der Ausschuss des Flaneider Tourismusvereins war vollzählig bei Pfarrer Kaslatter erschienen, um die Saison einzuläuten. „Unsere Branche, nein, das ganze Dorf lebt von der Saison, und da können wir uns keinen Patzer leisten“, sagte Coelestin Unterganzner, vierzehnfacher und einziger Hotelier im Dorf, „die Gäste wollen ausschlafen.“
Der Pfarrer schluckte seinen Ärger, dem Dorffrieden zuliebe. Man einigte sich auf den Kompromiss, dass in jeder Rezeption der Messkalender auflag.
„Aha, die Saison“, dachte Theresia Wiedersacher, oppositionelle Gemeinderätin und Hausfrau, als sie den Tourismusverein das Pfarrhaus verlassen sah. Sie wollte …
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Aus ff 27 vom 03. Juli 2008
Kein Platz
Im Prinzip nix dagegen“, sagte Hugo Wasserer, Feuerwehrkommandant der Flaneider Fraktion Zepf, zu Mirko Pickel, dem Sprecher der Jugendgruppe Flaneid, und erklärte ihm, dass sie den
Zepfer Festplatz doch nicht für die Schulabschlussparty kriegen würden: „Es gibt da aber den Grundsatzbeschluss, dass wir den Platz nicht an Auswärtige hergeben.“ „In unserer Jugendgruppe sind aber Jugendliche aus allen Fraktionen“, protestierte Pickel. „Eben“, antwortete der Kommandant, „außerdem hat die Obstgenossenschaft dort jetzt ihre Großkisten abgestellt.“ Wasserer dachte mit Widerwillen daran, dass er das noch heute Nacht würde organisieren müssen.
„Oschpele, da müsste ich jetzt nachfragen.“ Florian Lösch hatte …
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Aus ff 26 vom 26. Juni 2008
Umfrage-Werte
Der Mann mit dem Koffer kam dem Bürgermeister irgendwie bekannt vor. Josef Palander sah ihn an die Tür seines Umweltassessors Daniel Grüner klopfen. Erst als er nach einer halben Stunde Grüners Büro verließ, stellte sich bei Palander die Erinnerung ein. Natürlich! Ein Flaneider! Max Siebentercher war schon früh als Vertreter in die Welt hinausgekommen, vertrat nacheinander Kaffeebohnen, beutellose Staubsauger und Interessen. Palander hatte irgendwann flüchtig wahrgenommen, dass Siebentercher nun beim Flaneider Boten angeheuert hatte, als Referent für Marketing, Incoming, Absahning, Palander hatte es längst vergessen.
Nach Siebentercher kam Grüner aus dem Büro. Kreidebleich. „Daniel, was ist denn?“, fragte …
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Aus ff 25 vom 19. Juni 2008
In der Depression
Halt!“, schrie Fritz Klotz, der mit seinem schwarzen Mercedes neben der Zapfsäule stand, „Zehn Euro, hab‘ ich gesagt, und nicht mehr. Die zwei Cent kannst du dir auf den Hut stecken. Bei diesen Benzinpreisen!“ Tankwart Toni hatte Bauassessor Klotz noch nie so geizig gesehen. Wenn jemand wirklich arm war und den Öldruck spürte, d.h. den Preisdruck, den das immer knapper werdende Erdöl ausübte, dann kam er mit einem Panda oder er ging zu Fuß vorbei. Toni stand in seinem blauen Overall da und war still – Kunden widersprach man nicht. Am meisten jammerten die mit Geländewagen, sie füllten den Tank …
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Aus ff 23 vom 06. Juni 2008
Unterm Froschwinkel
Karls Treffer verlas die Liste. Der Schützenhauptmann führte jedes Jahr Buch, ...